Der Zweite Vorhang

Eingetragen am 9 März 2010 von Tussi de Luxe
in der Kategorie BDSM-Geschichten |

Heute schreibt unser raubeiniger Koch aus dem Pott einmal kein Kochrezept für uns, sondern eine gefühlvolle Geschichte. Ob er sie selbst erlebt hat? Das müssen Sie ihn schon selbst fragen.

Fer de Lance schreibt ihnen:

Der zweite Vorhang

Ich stehe am Rand eines Flugfelds in Nordafrika. Ein Nebenflugplatz abseits der Metropolen dieses Landes, aber immerhin wichtig genug, dass er direkt von einem unserer Nebenflugplätze angeflogen wird. Ich genieße die untergehende Sonne, 22 Grad, leichter Wind, der Abend kündigt sich an. Gleich wird es sehr schnell kühler werden. In der Wüste ist das so. Aber dann sitze ich bereits im Nachtflug zurück. Diesmal wirst du mich nicht am Flughafen erwarten.

Ich denke daran, wie es zu diesem Einsatz kam. Ich bin beruflich hier, es ging natürlich mal wieder um alles. Als ich dann vor Ort war, waren die Probleme unseres Kunden nur noch ein Zehntel so groß wie im Fax angekündigt. Dementsprechend schnell waren sie behoben. Wenigstens konnte ich so für 72 Stunden dem Schmuddelfebruar entfliehen.

Ich schaue auf die Wüste und genieße es. Ich kenne ihre Wirkung auf mich seit 15 Jahren. Die Wüste ist phantastisch. Sie ist schön und tödlich zugleich. Ich will zwar nicht in ihr Leben, aber sie sorgt mit ihrem Wechselspiel zwischen totaler Harmonie und krasser Unwirtlichkeit dafür, dass ich mich auf die wesentlichen Dinge des Lebens besser konzentrieren kann.

Ich reflektiere uns. Jeder weiß, dass man alte Beziehungen nicht fortführen soll. Manchmal passiert es aber doch. Nach der ersten Trennung hatten wir uns nicht aus den Augen verloren. Jeder machte sein Ding, aber unsere Wege kreuzten sich dann doch recht häufig. Sogar als wir beide zwischenzeitlich andere Partner hatten. Die waren dann irgendwann schnell wieder weg und wir sahen uns noch häufiger.

Ich hatte es nicht geplant. Aber irgendwann wurde aus dem vertrauten Bussi ein intensiver Kuss. Und der zweite Vorhang öffnete sich.

Tolle Sache. Alles lief ohne große Worte. Perfekter Gleichklang – menschlich. Natürlich hatten wir Sex, gemeinsamen Sport, kochen, ausgehen, tanzen. Alles war gut.

Und SMig? Nichts. Es entstand nichts mehr. Wir haben es nicht mehr geschafft in den Sektor einzutauchen, in dem es sich nur noch um uns dreht. Die intensivsten Momente des Gebens und Nehmens von Vertrauen. Die in der Handlung extrem reduzierten Situationen die zeitgleich hochkomplexe Emotionen erzeugen. Das alles kann nicht sein. Es geht nicht. Nicht zwischen uns.

Ein perfektes Paar. Zum zweiten Mal. Und zum zweiten Mal erkannten wir, dass wir uns die Tiefe, die wir wollen, nicht gegenseitig geben können. Und damit fiel der zweite Vorhang wieder.

Der Grenzbeamte reißt mich aus den Gedanken und drängt mich in Richtung Flugzeug. „Vite, vite Monsieur!“. Ich bin der letzte Passagier. Ich laufe über das Flugfeld und steige die Treppe hinauf. Die Stewardess empfängt mich mit einem strahlenden Lächeln und ich nutze die Gelegenheit mich noch einmal umzudrehen bevor ich einsteige.

Ich erblicke noch einmal die Ewigkeit der Wüste. Unsere Zeit war leider begrenzt.

Der Autor: Fer de Lance, ein typischer Kerl aus dem Ruhrgebiet. Held des Alltags, Freizeitkoch und Charmeur der alten Schule.

Kommentare

5 Kommentare vorhanden für “Der Zweite Vorhang”

  1. miriam schrieb am 10 März 2010 um 10:19 am

    nette geschichte, kannst du häufiger so etwas schreiben

  2. steffi schrieb am 10 März 2010 um 11:49 am

    Danke dafür, dass Du mich mit nach Afrika genommen hast, wenn auch nur in Gedanken…

  3. Gute Miene schrieb am 10 März 2010 um 9:45 pm

    ich spüre förmlich den Wüstensand.. Und noch so einiges mehr.

  4. kivi* schrieb am 11 März 2010 um 2:24 pm

    Die Geschichte hätt ich gern gehört… Stimme wie Wüstensand…

  5. werner schrieb am 18 März 2010 um 4:57 pm

    Sehr gut geschrieben!

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